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Dienstag, 6. September 2016

Die Geburt

Am Dienstagnachmittag gegen 14:00 Uhr nahm ich das erste Mal bewusst war, dass es Wehen sein könnten, die mir das schmerzhafte Gefühl, alle 10 Minuten, im Unterleib bescherten. Als sich ca. eine Stunde später der Schleimpfropf löste, war ich ziemlich sicher und machte den Badewannentest.

Ich wollte auf keinen Fall zu zeitig ins Krankenhaus und so hielt ich nochmal Rücksprache mit meiner Hebamme. Sie meinte, wir sollten losfahren, wenn ich das Gefühl hätte es nicht mehr auszuhalten.

Der Blasensprung blieb leider aus und so musste ich mich tatsächlich auf mein Bauchgefühl verlassen. Zur Kreißsaalbesichtigung wurde uns damals gesagt, wenn die Wehen alle acht Minuten kämen, könnten wir bereits losfahren. Um 22:00 Uhr entschied ich, dass dies nun der Fall sei und wir machten uns auf dem Weg. Glücklicherweise war um diese Uhrzeit nicht mehr viel Verkehr auf der Autobahn und wir kamen ohne Stau an. Mittlerweile hatte sich der Wehenabstand auf 5-6 Minuten verkürzt und ich war guter Dinge, dass es nicht mehr lange dauern würde bis wir unseren Schatz in den Armen halten würden.

Zunächst stand eine Untersuchung und das CTG an, worauf die Ernüchterung folgte: Gebärmutterhals bei 1 cm und Muttermund bei 1-2 cm, Wehen noch nicht richtig stark, dafür wenigstens die Herztöne top. Auf meine Nachfrage, ob es aber wohl in den nächsten Stunden zur Geburt käme oder ob es sich noch um Tage handeln könnte, meinte die Ärztin, dass sie schon denkt, dass es eher Stunden wären. Ich glaube nur aufgrund unserer Vorgeschichte wurden wir nicht wieder nach Hause geschickt, sondern durften gegen halb eins ins Familienzimmer auf Station ziehen. Einen Cocktail gegen die Schmerzen lehnte ich ab, denn mein Motto war alles so weit wie möglich interventionsarm durchzustehen.

Im Zimmer angekommen legten wir uns hin um noch etwas zu ruhen. Mein Mann setzte das sogleich in die Tat um und schlief lautstark neben mir, während ich unter stärker werdenden Wehen alle 3 Minuten keuchte um die Schmerzen zu veratmen. Halb drei hielt ich es nicht mehr aus und klingelte nach der Schwester. Nach meinen Schilderungen meinte sie, es wäre nun Zeit für den Kreißsaal. Ich schnappte mir ein Handtuch, weckte meinen Mann und machte mich schon mal auf den Weg. Schließlich musste ich alle paar Meter anhalten und veratmen. Mein Mann würde mich also schnell einholen und wir kämen zusammen im Kreißsaal an, so der Plan. Als ich mittlerweile am Schwesternzimmer angekommen war, war mein Mann jedoch noch nicht zu sehen. Die Schwester meinte, ich solle nicht allein weiter gehen, ich wartete also und wartete. Nach einigen Minuten fragte eine zweite Schwester, ob sie mal nach ihm schauen solle. Ich versicherte ihnen, dass er schon käme, denn ich wusste ja, dass er manchmal etwas länger braucht. Irgendwann konnten sie mein Gekeuche nicht mehr mit ansehen und brachten mich in den Kreißsaal. Dort tauchte aus der anderen Richtung dann auch endlich der Papa in spe auf.

Ich bekam wieder das CTG. Wir schauten immer mal auf die Ausschläge, die nun deutlich größer waren und meine Zuversicht stieg. Allerdings nur für ein paar Minuten. Während im zweiten Kreißsaal eine Frau das ganze Krankenhaus zusammenquiekte, ergab eine erneute Untersuchung bei uns die zweite Ernüchterung: Gebärmutterhals verstrichen, Muttermund 2 cm, die Wehen laut Hebamme nur mäßig, die würden noch viel stärker, prophezeite sie.

Das konnte doch nicht sein, ich bin wirklich nicht schmerempfindlich, aber dass diese Schmerzen noch keine Wirkung zeigten, brachte mich ans Limit. Ich blieb noch etwas am CTG und dann sollte entschieden werden, ob ich eventuell nochmal auf das Zimmer zurück muss. Zur Überbrückung bekam ich eine Dosis Globuli. Angeblich sollten die den ganzen Prozess beschleunigen. Ebenso wie der Einlauf, den ich dankend annahm.

Wieviel Zeit daraufhin verging weiß ich nicht mehr. Ich denke es war nach 6:00 Uhr, als eine andere Hebamme nach mir schaute. Schichtwechsel. Sie fragte mich, ob sie nochmal untersuchen solle und tat es auch. Dann endlich ein Lichtblick: der Muttermund hatte sich auf 7 cm geöffnet. Daraufhin fragte sie mich, ob ich etwas gegen die Schmerzen haben wolle. Ich war total geschafft und vor allem Müde und so wich ich von meinem Vorsatz ab nichts nehmen zu wollen, nachdem ich mich vergewissert hatte, dass es keine Auswirkungen auf das Kind hat. Kurze Zeit später bekam ich also eine Spritze in den Po. Zwar duselte ich zwischen den Wehen immer mal für eine Minute ein, die Schmerzen waren aber so stark wie zuvor auch. Fortan schien die Hebamme ständig präsent zu sein. Sie gab mir Atemanleitungen und entschied irgendwann, die Fruchtblase zu öffnen. Ich war heilfroh über diesen Schritt, da nun alles beschleunigt wurde und ich das Gefühl hatte, es ist jemand da, der sich um mich kümmert. Es gab zwischendurch noch eine weitere Dosis Globuli und diverse Duftöle wurden mir unter die Nase gehalten. Diese empfand ich als sehr angenehm und belebend. Die Wehenabstände hatte ich zu der Zeit nicht mehr im Blick, gefühlt waren sie ständig da.

Ich war erleichtert als es hieß, bei der nächsten Wehe dürfte ich pressen. Den Pressdrang, wie damals bei Henriettes Geburt verspürte ich nämlich nicht. Überhaupt fühlten sich die Wehen diesmal ganz anders an. Fortan presste ich jedenfalls was das Zeug hielt. Nur effektiv schien das nicht zu sein, weil ich nicht "weit genug unten" presste. Als ich den Bogen dann raus hatte waren jedoch die Wehen schwächer und kürzer geworden und es drohte der Wehentropf. Da ich den unbedingt vermeiden wollte, presste ich also auch weiter wenn die Wehe schon abgeklungen war. Der Tropf wurde von einer Hebammenschülerin zur Abschreckung nämlich schon neben mich gestellt. Mittlerweile war auch eine Gynäkologin hinzugekommen. Die Hebamme motivierte mich nach jedem Pressen, dass wieder ein Stück des Weges geschafft war. Sie war echt klasse und wie ich hinterher sah zurecht die leitende Hebamme des Krankenhauses.

Da die Wehen immer schwächer und ich zusehends kraftloser wurde, musste ich mit der nächsten Wehe die Geburt vollenden. Die Ärztin schob deshalb von oben mit, ich presste wie verrückt (mein Mann meinte, ich sei schon ganz blau im Gesicht gewesen vor Anstrengung) und die Hebamme setzte einen Dammschnitt (da es sonst noch viel länger gedauert hätte, bis der Kopf geboren worden wäre) und dann war der Kopf da. 9:17 Uhr - die Erleichterung war riesig. Ich glaube unsere Kleine hat sofort angefangen zu schreien. Kurz darauf kam auch der Rest des Körpers. Sie wurde kurz trocken gerieben (mir dauerte das viel zu lange und ich weiß noch, dass ich der Hebamme sagte ich würde sie auch blutig nehmen) und dann durfte ich sie mir selbst auf den Bauch legen.

Mein Mann hielt den Moment mit ein paar Fotos fest und wir genossen die Zeit zu dritt.

Bevor ich auf die Wochenbettstation verlegt wurde, habe ich mich noch bei meinen Geburtshelfern (einer Schülerin, der Hebamme und der Ärztin) dafür entschuldigt, dass ich so laut gewesen sei. Sie haben mich ganz erstaunt angeschaut und gemeint, dass man auf dem Flur vor dem Kreißsaal gar nicht gehört habe, dass dort eine Geburt stattfindet, so leise sei ich gewesen. Tja, so unterschiedlich sind die Empfindungen. :-)

Mittwoch, 20. April 2016

Klinikcheck

Wo entbinden? Diese Frage stellt sich uns bereits eine ganze Weile und wir müssen langsam eine Entscheidung treffen. Das Krankenhaus indem ich das letzte Mal war, war super und hat auch einen guten Ruf. Aber eigentlich soll diesmal alles anders werden und deshalb auch eine andere Klinik her.

In der Nachbargroßstadt gibt es drei Alternativen, welche eine Kinderklinik beinhalten und noch diverse andere ohne eine solche Station. Nummer eins, der Platzhirsch ist aber keine Option bei einer normalen Geburt, da das Patientenaufkommen dort riesig ist und nur die komplizierten Fälle angemessene Beachtung finden.

Die anderen beiden Krankenhäuser haben wir uns in den letzten Wochen ebenso angeschaut, wie ein weiteres mit sehr gutem Ruf, aber leider ohne Kinderklinik. Hier der Checkliste zur Entscheidungsfindung.

KH 1 (Geburt ab der 34. Woche)
pro:
+ ca. 1.500 Geburten p. a. und damit viel Erfahrung, sehr guter Ruf
+ permanent zwei Hebammen anwesend
+ Kinderklinik direkt im Haus
+ Möglichkeit zur Buchung Familien-, Einzelzimmer, aber nur sofern verfügbar
+ Storchenparkplätze direkt vorm Haus

contra:
- Dusche nicht auf dem Zimmer, sondern auf dem Gang
- Dreibettzimmer bei Kaiserschnitt, Zweibettzimmer bei Spontangeburt
- Toilette nur in einem von drei Kreißsälen integriert und dort auch nur mit Vorhang abgetrennt
- Ausstattung der Kreißsäle bereits etwas antiquiert
- Anfahrt (mind. 30 Minuten) und Parkplatzsuche bei längerer Parkdauer schwierig
- Wohlfühlatmosphäre wollte sich bei der Besichtigung nicht einstellen

Fazit:  Wir fühlten uns dort nicht wohl, ausschlaggebend war vor allem die Toilettensituation der Kreißsäle und die teilweise altertümlich anmutende Ausstattung. Warum dort so viel Frauen entbinden (auch uns bekannte) können wir nicht nachvollziehen.

KH 2 (Geburt ab der 34. Woche)
pro:
+ drei Kreißsäle mit moderner Ausstattung inkl. abgetrennter Toilette und Dusche
+ jedes Zimmer mit integrierter Nasszelle
+ Buchung Familienzimmer, sofern verfügbar, Einzelzimmer wird aber scheinbar so gut wie immer möglich gemacht
+ Kinderärzte kommen aus KH 3 und haben damit viel Erfahrung
+ problemlose Anfahrt (ca. 20 Minuten) und Parkmöglichkeiten unkompliziert auf dem Gelände
+ super herzliche Atmosphäre, fast schon familiär (ca. 700 Geburten p.a.)
+ auf natürliche Geburt ohne Hilfsmittel (Schmerzmittel etc.) wird viel Wert gelegt
+ Hüftultraschall bei U2, ggf. auch vor Entlassung bei ambulanter Geburt
+ ambulante Geburt möglich, auch kurzfristige Aufenthaltsverlängerung kein Problem
+ kostenlose Nabelschnurblutspende

contra:
- Kinderarzt nur bis 20:00 Uhr im Haus, danach Rufbereitschaft
- keine Kinderklinik vorhanden, Verlegung in KH 3 u.a. bei stärkeren Atemproblemen mit Baby-Rettungswagen notwendig, aber direkte Mitverlegung der Mutter angestrebt
- Hebammenschlüssel mit einer bis zwei pro Schicht etwas schlechter als in KH 1 dafür aber auch weniger Geburten

Fazit: Wir fanden die Klinik super. Alles machte einen guten Eindruck, das Personal war sehr bemüht und freundlich. Unsere Sorgen bezüglich der fehlenden Kinderklinik konnten durch geduldige Antworten nahezu zerstreut werden.

KH 3 (Geburt ab der 29. Woche)
pro:
+ ca. 1500 p. a. Geburten und damit viel Erfahrung
+ Kinderklinik auf der selben Etage
+ drei Kreißsäle mit moderner Ausstattung inkl. abgetrennter Toilette und Dusche
+ Familienzimmer wird jedem Elternpaar ermöglicht
+ Hüftultraschall bei U2
+ ambulante Geburt möglich, kurzfristige Entscheidung nach der Geburt kein Problem
+ kostenlose Nabelschnurblutspende
+ ständige Anwesenheit von zwei bis drei Hebammen und mehrere Hebammenschüler
+ Storchenparkplatz und Anfahrt direkt bis ans Gebäude, Fahrzeit ca. 25 Minuten

contra:
- Atmosphäre hat uns nicht ganz so überzeugt wie in KH 2, auch wenn sie gut war

Fazit: Negatives konnten wir bei dieser Klinik nicht feststellen. Einzig die Tatsache, dass sie uns emotional nicht ganz so abgeholt hat, wie KH 2 lässt uns derzeit noch überlegen wo wir uns anmelden sollen. Die Wochenbettstation hatten wir uns erst gar nicht angeschaut, weil uns der Kreißsaalbereich bereits überzeugt hat. Auch dort wären wir aber sicher gut aufgehoben.

Wie also nun entscheiden Emotionalität vor Rationalität? Für mich als nicht sonderlich emotionalen Menschen eigentlich keine Frage, wenn da nicht die Hormone wären... :) Im Rennen bleiben jedenfalls nur KH 2 und 3.

Mittwoch, 12. August 2015

Geburtsvorbereitung und Hebammensperre

Es gab nicht viel, vor dem mir im Zusammenhang mit der Schwangerschaft gegraut hat. Eines dieser Themen war der Geburtsvorbereitungskurs.
Ich hatte partout keine Lust mich mit den ganzen (Bald-)Muddis über Schwangerschaftssympthome, Atemtechniken, Essgewohnheiten und Kinder-Ei-Di-Dei auszutauschen. Vorfreude ja, unbedingt, aber es gab für mich auch viele andere Dinge, über die ich mich gern unterhalte.

Aber was muss, das muss. Ich Kontrollfreak wollte schließlich auf den Geburtsprozess vorbereitet sein, um mir im Kreißsaal keine Blöße wegen Unwissenheit geben zu müssen. So startete ich am 5.3. Der Kurstermin lag günstig Mittwochs 17:00 Uhr. So kam es zu keiner Kollision mit meiner Arbeitszeit und im Internet stand geschrieben, dass auch die Männer an einzelnen Terminen teilnehmen können. Meinem Mann war das sehr wichtig und so hatte ich diesen Kurs mit fünf Einheiten gebucht.

Viel ist mir vom Inhalt nicht mehr in Erinnerung geblieben. Zunächst wurde alle Teilnehmer gefragt, in welcher Schwangerschaftswoche sie seien, ob bereits Kinder vorhanden und welche Erwartungen wir an den Kurs hätten.
Es ging um Essensgewohnheiten und worauf man besser verzichten sollte. Eine Teilnehmerin dazu ganz selbstbewusst: "Ich esse alles, so wie vorher auch." Mir blieb nur das gedankliche Kopfschütteln, denn als halbwegs informierte Schwangere sollte man es doch besser wissen. Wir kommen auf des Thema Getränke zu sprechen und auf meine Nachfrage hieß es, dass man den Konsum von Tee vermeiden sollte. Bisher hatte ich davon noch nichts gehört. Sollte meine Kanne Pfefferminztee pro Tag etwa schädlich gewesen sein? Hatte ich damit einen Fehler begangen? Eine definitive Antwort von der Hebamme gab es darauf nicht, nur dass man besser Wasser trinken solle.

Zum zweiten Termin am 12.3. gab es gegenseitige Rückenmassagen mit einem "Igel-Ball" und Erläuterungen wie sich das Kind den Weg durch das Becken bahnen muss bei der Geburt. Dabei wurde mir etwas mulmig, dass schien wohl ein komplizierterer Vorgang als gedacht zu werden. Für die nächste Sitzung wurde ein Film zum Geburtsvorgang in Aussicht gestellt. Wer den nicht sehen wollte, könne eine Stunde später dazu stoßen. Ich wollte ihn mir jedoch zu gemüte führen, schließlich wollte ich informiert sein, was dabei vor sich geht.

- Letztlich kam es dazu aber ohnehin nicht mehr. -

DER HORROR schlechthin war für mich aber eine Hebamme finden zu müssen. Ich nehme nicht gern fremde Hilfe in Anspruch und es ist mir unangenehm jemanden bei so einem persönlichen Thema um Rat zu fragen. Schließlich ist es mein Kind und es kann doch nicht so schwer sein allein oder mit dem Einzelrat einer guten Freundin zurecht zu kommen. Der Instinkt würde mir doch sagen, was richtig und was falsch ist, oder?
Dann würde ich lieber die ersten zwei/drei Tage nach der Entbindung in der Klinik bleiben (obwohl ich eher zu einer ambulanten Geburt tendierte) und dort die "Grundtechniken" festigen. Ein kleines Dilemma also.

Eine Bekannte meinte zu mir, sie habe auch keine Lust auf eine Hebamme, kenne aber eine, die sie akzeptieren würde, weil sie sie im großen und ganzen machen lässt, ohne zu nerven. Als ich diese Hebamme um Betreuung bat, lehnte sie mit der Begründung ab, sie habe zu der Zeit Urlaub. Ich wusste aber, dass das nicht der Fall war; sei es drum... Kurz dachte ich an eine ehemalige Schulkameradin, die auch Hebamme ist, aber das war mir dann auch nix.

Letztlich brachte der Geburtsvorbereitungskurs die Erlösung. Die Hebamme, die ihn durchführte war vom ersten Eindruck ok und machte auch Nachsorge. So tauschten wir die Telefonnummern aus und ich konnte einen Haken hinter das ungeliebte Thema machen.

Im Nachhinein hat sich aber auch sie als Schuss in den Ofen herausgestellt. Wie bereits geschrieben, musste ich Dienstags ins Krankenhaus, um die Geburt einleiten zu lassen. Am Tag darauf sollte der dritte Termin des Kurses stattfinden (die Räume befanden sich direkt neben dem Kreissaal) und so bat ich die Hebammen des Krankenhauses der "Kurs-Hebamme" Bescheid zu geben und kurz zu erläutern was passiert sei. Die kennen sich untereinander alle gut und meinten, wenn sie im Haus sei würde sie sicher auch kurz bei mir vorbei schauen.

Der Kurs wurde jedoch kurzfristig abgesagt und so schrieb ich "meiner" Hebamme wenigstens eine sms, damit sie über die Situation informiert war. Ich bekam auch eine Antwort mit Anteilnahme und dem Hinweis, dass wir uns in ein paar Tagen mal treffen würden. Dabei blieb es aber auch und seitdem habe ich nie wieder etwas von ihr gehört. Ich war mehr als enttäuscht über ihr Verhalten. Sicher hätte ich mich auch bei ihr melden können, aber in der Phase extremer Trauer und der Notwendigkeit viel organisieren zu müssen, war mir nicht danach. Es hätte mir sehr geholfen, wenn sie auf mich zugekommen wäre. War das denn zu viel verlangt? Ich hatte das von einer erfahrenen Hebamme, die den Beruf seit mehr als 30 Jahren ausübt und sicher auch nicht das erste Mal mit so einer Situation konfrontiert war, einfach erwartet.

Ihre Visitenkarte habe ich übrigens vor ein paar Wochen wieder gefunden und direkt entsorgt. Die brauche ich garantiert nicht mehr; so oder so!

Mittwoch, 24. Juni 2015

2. Schwangerschaft - Geburt

Der zweite Tag im Krankenhaus, es war Mittwochs, begann mit Frühstück. Wir bekam jedoch nichts runter. Die Hebammen redeten uns zwar gut zu und meinten, wir bräuchten Kraft aber mein Magen war wie zugeschnürt.

Wir durften dann in ein anderes Zimmer (Kreissaal) umziehen. Wir hatten das Glück von sehr mitfühlendem Krankenhauspersonal umgeben gewesen zu sein, so war es auch überhaupt kein Problem, dass mein Mann die Nächte mit im Zimmer verbrachte, Essen bekam und wir ein- und ausgehen konnten, wann wir wollten. Soweit das möglich war, wurde uns die traurige Situation damit erleichtert.

Das Wehenmittel hatte bisher noch keine Wirkung entfaltet und so bekam ich am Vormittag eine zweite Dosis.

Ich machte mir Gedanken, wie es nach der Geburt weitergehen würde. Recherchierte zum Thema Bestattungen und war einfach nur überfordert mit der Situation. Die Hebammen rieten, wir sollten uns jetzt noch keine Gedanken darüber machen, nach der Geburt bekämen wir alle Infos, die wir benötigten. Ich musste mich aber einfach damit beschäftigen. Ich fühlte mich so ausgeliefert... Für uns war schnell klar, dass wir unser Kind sehr würdevoll beerdigen wollen. Das blieb schließlich leider das Einzige, was wir noch tun konnten.

Nicht sicher waren wir uns jedoch, ob wir Henriette nach der Geburt sehen wöllten. Wir hatten keine Vorstellungen wie ein Kind in der Schwangerschaftswoche aussieht und wollten unsere Kleine so in Erinnerung behalten, wie wir sie in Gedanken sahen. Auch hatte ich Angst, dass mich die Trauer jedesmal übermannen würde, wenn ich unser Kind vor meinem geistigen Augen sehe und mein Mann war sich sicher, dass er das nicht verkraften könne. Zum Glück hatten wir eine ganz liebe Ärztin, die ich schon von meinem ersten Krankenhaushaufenthalt kannte. Sie und die Hebammen, mit denen wir darüber sprachen meinten, wir könnten das nach der Geburt in Ruhe entscheiden. Da wir aber so viel Zeit bis zur Geburt hatten, zerbrachen wir uns trotzdem ganz lange den Kopf darüber, wir wollten schon vorher alles überdacht haben, damit wir am Ende leichter eine Entscheidung fällen könnten. Irgendwann hatte ich für mich den Entschluss dafür dann auch gefasst. Zu groß waren meine Bedenken, dass ich es ansonsten später vielleicht bereue, mein Kind nicht gesehen zu haben und daran nichts mehr ändern könnte.

Die Ärzte rieten uns auch dazu, weil es besser für die Psyche sei und die Verarbeitung der ganzen Situation. Ein Kaiserschnitt wäre aufgrund meiner Angst vor Operationen nicht infrage gekommen und ich spürte auch, dass das nicht die Variante wäre. Die Nähe zu meinem Kind während der Geburt wollte ich auf jeden Fall erleben und dafür auch die Schmerzen auf mich nehmen. In meinen Augen war ich das unserem Kind auch irgendwie schuldig. Mir wurde bereits sehr zeitig Schmerzmittel angeboten, ich brauchte nur sagen, wenn ich etwas benötige. Ich wollte es aber so lange wie möglich ohne aushalten, schließlich hätte ich bei einer Lebendgeburt auch darauf verzichtet und ich wollte, dass alles so normal wie möglich verläuft.

Mein Körper war einfach noch nicht auf eine Geburt eingestellt und auch nicht darauf, unser Kind loszulassen. So zeigte das Wehenmittel wenig bis keine Wirkung. Die Hebammen hatten uns schon darauf vorbereitet, dass es einige Zeit bis zum Geburtsprozess dauern kann. Von Anfang an war für mich klar, dass ich eine natürliche Geburt wollte. Am Abend bekam ich eine weitere Dosis Wehenmittel.

In der Nacht zum Donnerstag merkte ich ein etwas stärkeres Ziehen im Unterleib und als ich am Morgen ins Bad ging war mir klar, dass an diesem Tag der Geburtstag unseres kleinen Würmchens sein würde. Nachdem ich mich in den Stunden zuvor etwas gefangen hatte (wahrscheinlich weil sich alles so hinzog), hat mich dieser Gedanke wieder sehr aus der Bahn geworfen. Ich musste weinen, da mir endgültig bewusst wurde, dass unsere Dreisamkeit ab diesem Tag vorbei sein würde. Nach zwei weiteren Wehenmittelgaben im Tagesverlauf war noch kein großer Fortschritt zu verzeichnen. Da sich meine Entzündungswerte verschlechtert hatten, musste ich nun Antibiotika nehmen. Es war ein schrecklicher Gedanke, dass sich mein Körper langsam gegen unser Kind zu wehren begann und ich versuchte ihn so schnell wie möglich zur Seite zu schieben, um keine Schuldgefühle aufkommen zu lassen.

Um 15:15 ging die Ärztin dazu über die Fruchtblase zu öffnen, damit die Geburt endlich voranschreiten könne. Sie merkte, dass wir nicht noch einen Tag im Kreissaal überstehen würden. Das Öffnen klappte nicht auf Anhieb, die Schutzhülle wollte unser Kind auch nicht so leicht loslassen. Letztlich hat es die Ärztin mit einiger Anstrengung geschafft und eine halbe Stunde später gingen die ersten ernsthaften Wehen los. Trotz guter Vorsätze konnte ich nicht ganz auf Schmerzmittel verzichten und dämmerte dadurch zeitweise vor mich hin. Die Hebamme wollte mir zur Beschleunigung einen Wehentropf geben, sobald die Schmerzmittel wirkten. Aber sie wurden immer schlimmer und ich begann zu zweifeln, ob ich es ohne PDA bis zum Ende schaffen könnte, wenn schon nach eineinhalb Stunden die Schmerzen so stark seien.

Die ganze Zeit war mein Mann an meiner Seite und hat versucht mich zu unterstützen, ich war aber nicht in der Lage seine Hilfe anzunehmen, mir war einfach alles zu viel. Vor allem die Hitze machte mir zu schaffen. Während der Wehen hatte ich Atemprobleme, da das im Geburtsvorbereitungskurs noch kein Thema war, wusste ich nicht damit umzugehen und hatte das Gefühl mich übergeben zu müssen. Als ich dachte es geht nicht mehr ohne PDA holte mein Mann die Hebamme. Auch hatte ich seit vier/fünf Wehen das Gefühl pressen zu müssen, konnte aber nicht deuten in welchem Stadium der Geburt ich mich befinde. Die Hebamme untersuchte mich kurz und stellte fest, dass unser Kind nun schon komplett im Becken lag und bald geboren würde. Ich war froh, weil ich nun wusste, es waren nicht die Schmerzen im Anfangs- sondern im Endstadium die mich an meine Grenzen gebracht hatten. Ich wechselte in einer Wehenpause schnell vom Bett auf den Geburtsstuhl und es waren noch fünf/sechs Wehen nötig und schon war der Kopf geboren. Leider verlief alles, wie erwartet, ganz still und vier/fünf Wehen später war auch der restliche Körper unseres Würmchens da. Nach dem Blasensprung hatte es gerade einmal dreieinhalb Stunden gedauert und unsere Kleine hat es mir doch recht leicht gemacht.

Im Nachbarzimmer kümmerte sich die Hebamme dann erstmal um Henriette. Sie sagte uns, dass es ein ganz bezauberndes Kind sei und brachte sie uns in einem kleinen Körbchen. Darin lag sie so ruhig. Die Händchen übereinander gelegt, die Beinchen leicht angewinkelt und das Gesicht ganz entspannt, so als würde sie einfach nur schlafen. Es war ein sehr friedlicher Augenblick. Wenn ich ihn mir ins Gedächtnis rufe muss ich zwar immer weinen, aber ich bin sehr froh, dass ich ihn gemeinsam mit meinem Mann erlebt habe.

Die Ärzte konnten uns nicht sagen was zu dem plötzlichen Herzstillstand geführt hatte. Die Plazenta war völlig in Ordnung und auch ansonsten nichts Außergewöhnliches feststellbar. In den meisten Fällen würde sich die Ursache nicht herausfinden lassen, es sei den man entdecke nach der Geburt, dass sich beispielsweise die Nabelschnur um den Hals gewickelt oder einen Knoten hatte. Eine Obduktion wollten wir nicht durchführen lassen. Die Chance, dass dabei eine Ursache gefunden würde wäre wohl sehr gering gewesen und wir brachten es nicht übers Herz den schönen makellosen Körper unseres Kindes aufschneiden zu lassen. Wir verzichteten auch auf die Untersuchung auf einen Gendefekt, da dies wohl in dem Schwangerschaftsstadium ein sehr unwahrscheinlicher Auslöser sei und die Ärztin anhand des Äußeren unserer Tochter dies nahezu ausschließen würde.

Die letzte Nacht im Krankenhaus verbrachte ich gemeinsam mit meinem Mann in einem Zimmer auf Station, dort wo auch die Wöchnerinnen liegen. Zum Glück bekamen wir davon nicht allzu viel mit. Ich wäre am liebsten direkt heim gefahren, aber da ich Schmerzmittel bekommen hatte, wollte die Ärztin mich wenigstens bis zum nächsten Morgen noch dort behalten. Die Nacht war quälend lang, wir schliefen kaum und trauerten und fühlten uns schrecklich einsam.

Ganz schwer war es für mich nach der Entlassung das Krankenhaus zu verlassen. Ich hatte in meinem Kopf schon lange ein Bild, wie es hätte eigentlich sein sollen. Mein Mann hätte mich abgeholt und unser Kind in der Babyschale durch die Tür zum Auto getragen. Tatsächlich mussten wir aber allein gehen und Henriette zurücklassen.

Vom Krankenhaus bekamen wir eine CD mit Fotos und eine Karte mit den Hand- und Fußabdrücken unserer Tochter. Bisher haben wir es noch nicht geschafft diese anzuschauen, es beruhigt aber zu wissen, dass wir es könnten wenn wir wöllten. 

Dienstag, 23. Juni 2015

2. Schwangerschaft - 3. Trimester

Vor diesem Post graut es mich ein wenig, weil dann die ganzen unglücklichen Tage wieder hochkommen werden, aber heute raffe ich mich mal zum Schreiben des ersten Teils auf.

Das dritte Trimester begann mit der 29. Schwangerschaftswoche und dauerte bei mir leider nur bis 30+2, denn an diesem Tag hörte das Herz von Henriette auf zu schlagen.

Bis dahin war immer mächtig Tumult in meinem Bauch. Die kleine war ein richtiger Wirbelwind und ich hatte kaum einen Augenblick, in dem ich keine (starken) Tritte spürte. Dadurch hatte auch mein Mann die Gelegenheit unser Kind zu spüren und zu "sehen", da die Bewegungen auch von außen sichtbar waren. Doch immer, wenn mein Mann seine Hand oder seinen Kopf auf den Bauch legte und mit Henriette sprach, wurde es ganz plötzlich still. Er hatte eine wunderbar beruhigende Wirkung auf unser Kind. Wahrscheinlich war sie immer ganz gespannt und konzentrierte sich auf das, was sie von ihrem Papa dadurch mitbekam.

Da ich einen ziemlich langen Arbeitsweg habe, legte ich während der Fahrt zu der Zeit häufiger eine CD mit klassischer Musik ein. Auch das schien ihr zu gefallen und sie in den Schlaf zu wiegen. So konnte ich mich etwas besser auf die Autofahrt konzentrieren und zwischendurch mal verschnaufen.

Gegen Ende des zweiten Trimesters wurde ich langsam kribbelig und wollte die ersten Kindersachen kaufen. Mein Mann meinte, wir könnten das doch in Ruhe machen, wenn ich nicht mehr arbeiten ginge, aber an einem gemeinsamen Einkaufsnachmittag war die Gelegenheit günstig und wir streiften gemeinsam durch die Neugeborenenabteilung eines Klamottenladens. Eine ganze Kiste voll mit Mädchensachen hatten ich bereits von einer Freundin besorgt, aber ein paar Dinge fehlten in ausreichender Stückzahl und so kauften wir einige Teile ein.

Zu Matratzen, Bett und Autokindersitz hatte ich mich bereits im Internet informiert, aber zusammen mit allen anderen Sachen die wir noch benötigten sollte dies folgen, wenn mehr Ruhe dafür war.

Mittlerweile hatte ich mich auch bei BabyCare angemeldet. Dort bekommt man viele hilfreiche Informationen rund um das Thema Schwangerschaft. Unter anderem kann man seine Essgewohnheiten auf ausgewogene Ernährung analysieren lassen. Worauf ich es aber insbesondere abgesehen hatte, waren Teststreifen für den Vaginalen PH-Wert. Sollte ein ungünstiger Wert festgestellt werden, könnte man wohl Vorsorgen, um eine Frühgeburt zu verhindern. Ich habe die Streifen zwei oder drei Mal angewendet und es war immer alles im Normbereich. Wie bei allen anderen Tests, die wir haben durchführen lassen, auch. Mein Fazit im Nachhinein daraus: Es kann alles gut aussehen und am Ende hat Mutter Natur doch ein anderes Schicksal für uns und unser Kind vorgesehen. Vielleicht sollte man sich einfach relaxt zurücklehnen und die Dinge auf einen zukommen lassen, man kann vermutlich ohnehin nicht ändern was passieren soll und die ganzen medizinischen Möglichkeiten machen einen nur verrückt.

Am 17.3. (30+2) stand die erste Routineuntersuchung im dritten Trimester beim Gynäkologen an. Ich war regelmäßig alle 14 Tage dort und so auch an diesem Tag wieder gleich früh um 7:00 Uhr. Das ließ sich einfach am besten mit der Arbeit in Einklang bringen. [Mein Gott, wie fixiert ich immer auf die Arbeit war. Heute würde ich das nicht mehr so voranstellen...]
Zunächst wurde ich zum zweiten Mal ans CTG angeschlossen. Dadurch, dass die Kleine stets so wild durch den Bauch tobte war es teilweise etwas schwierig die Herztöne einzufangen. Wenn das Gerät sie aufzeichnen konnte, waren sie aber stets total in Ordnung und kräftig. Kräftig hatte ich mittlerweile auch an Gewicht zugelegt. Fast 10 kg konnte ich auf der Habenseite verbuchen. Die Ärztin besprach noch die aktuellen Werte mit mir und meinte so beiläufig, sie sei immer froh, wenn die Wochen 30 bis 32 geschafft seine, weil die nochmal kritisch werden könnten. Davon hatte ich noch nichts gehört und nahm den Satz einfach so hin. Vermutlich betraf er die Thematik Frühgeburten in diesem Zeitraum. Da bei mir/uns alles prima war, der Ultraschall zeigte einen starken Herzschlag, vereinbarte ich den nächsten Termin für den 28.3. und machte mich auf den Weg zur Arbeit.

Der Arbeitstag verlief ganz normal und ruhig. Auf dem Nachhauseweg (so gegen halb sieben am Abend) erschrak ich beim Abbiegen ziemlich stark, weil ich dachte ich hätte einen Fahrradfahrer übersehen. Das war aber zum Glück nur Fehlalarm und es war weit und breit niemand zu sehen. Trotzdem hatte ich in dem Moment einen richtigen Adrenalinstoß und mein Herz schlug ganz aufgeregt. Rückblickend betrachtet glaube ich, dass evt. in diesem Moment etwas mit Henriette passierte. Nicht weil ich erschrocken bin, sondern vielmehr war die Kausalität vermutlich umgekehrt. Aber das ist nur eine Vermutung, denn den Rest des Abends war es ganz ruhig in meinem Bauch. Ich nahm das an dem Tag gar nicht so wahr. Nur als ich abends im Bett lag, wunderte ich mich, dass ich keine Tritte spürte.

Am nächsten Morgen fuhr ich zur Arbeit und spürte immer noch nichts. Ich fand das langsam merkwürdig. Im Laufe des Vormittags versuchte ich Henriette dann mit kleinen Schubsern zu animieren, mir ein Zeichen zu geben. Es tat sich jedoch nichts. In der Mittagspause schlenderte ich durch die Stadt und dachte etwas leichtes gespürt zu haben. Tief in mir drin wusste ich aber, dass das nur eine Einbildung gewesen war. Ich wurde nun doch unruhig und bekam etwas Angst. Bei Recherchen im Internet las ich zwar, das ab der 30. Woche die Bewegungen weniger werden, weil auch der Platz nicht mehr so vorhanden ist, aber der gesunde Menschenverstand sagte mir, dass es bestimmt nicht so plötzlich der Fall sein könne. Um mir keine Vorwürfe machen zu müssen, falls doch etwas mit Henriette sei, beschloss ich eher Feierabend zu machen, um noch bei der Ärztin vorbeizuschauen. Zwar war ich erst gestern dort und wollte nicht als hysterische Schwangere erscheinen, aber sicher ist sicher.

Ich schilderte der Schwester was los war und sie schloss mich direkt ans CTG an. Meinen Mann hatte ich schon vorher informiert, dass etwas nicht stimmte und er traf bald darauf auch bei Frau Dr. S. ein. Ich wusste es direkt, als das CTG keine Herztöne fand... Die Schwester versuchte zwar noch mir gut zuzureden und war der Meinung ganz weit hinten etwas zu hören, mir war aber klar, dass das wenn überhaupt etwas anderes war, nur nicht der Herzschlag unserer Tochter. Es stellte sich direkt ein leichter Schockzustand bei mir ein. Nach einigen erfolglosen CTG-Versuchen wurde ich abgekabelt und kam ins Sprechzimmer. Die Ärztin setzte den Ultraschall an und wurde direkt kreidebleich. Sie suchte und suchte, konnte aber keinen Herzschlag finden. Sie teilte mir das auch gleich ganz berührt mit. Danach holte sie meinen Mann aus dem Wartezimmer und verkündete auch ihm die traurige Nachricht. Ich fühlte mich von diesem Zeitpunkt an wie in Trance. Ich konnte noch gar nicht weinen, alles zog nur so an mir vorbei.

Frau Dr. S. meinte, wir sollen ins Krankenhaus fahren, sie würde uns anmelden. Dort hätten sie bessere Geräte und vielleicht wäre ja doch noch ein leichtes Schlagen zu finden. Mir war aber klar, dass es keine Hoffnung darauf gebe.

Wir fuhren zunächst nach Hause und ich lief wie benommen durch die Wohnung. Ich duschte schnell und wollte ein paar Sachen zusammenpacken, war aber völlig überfordert, was ich denn mitnehmen müsse. Ich wollte aber auch nicht zu viel Zeit verstreichen lassen, vielleicht war Henriette ja doch noch zu retten. Mittlerweile brach bei mir die Trauer richtig durch. Ich konnte nicht glauben was uns (warum gerade uns?) gerade passiert war.

Wir fuhren in das Krankenhaus, in dem ich auch geplant hatte zu entbinden und wo wir uns die Räumlichkeiten bereits zu einem Vorbereitungsabend angeschaut hatten. Wir klingelten am Kreissaal, die Hebamme wusste bereits Bescheid und wer wir waren. Uns wurde der Vorbereitungsraum zum Warten angeboten und dann folgte eine weitere Untersuchung. Natürlich konnte auch das bessere Ultraschallgerät keinen Herzschlag finden und die Gewissheit wurde endgültig, die traurige Nachricht nochmal bestätigt. Mir krampfte es das Herz zusammen. Ich fühlte mich so hilflos, so machtlos. Die Ärztin sagte, wir könnten nochmal nach Hause fahren wenn wir wöllten und die Nacht im eignen Bett verbringen. Das wollte ich aber nicht, ich wusste ohnehin, dass ich nicht würde schlafen können und das Unvermeidliche noch weiter hinauszuzögern hätte ich nicht ertragen. Ich blieb also dort, im Vorbereitsungszimmer und bekam die erste Dosis Wehenmittel. Mein Mann fuhr nochmal schnell heim, um ein paar Dinge zu holen, an die wir nicht gedacht hatten. Ich versuchte mich derweil mit Fernsehen abzulenken, lag aber die ganze Zeit nur heulend im Bett. Es war eine der (seelisch) schmerzvollsten Nächte, die ich erlebte. Irgendwann kam mein Mann dann wieder und wir heulten beide mit kurzen leichten Schlafphasen, bis es wieder Morgen wurde.


Samstag, 20. Juni 2015

Eileiterschwangerschaft - Teil 2

Mein erster Morgen im Krankenbett zog sich hin und die drei Zimmernachbarn waren entweder schon das x-te Mal auf der Station und entsprechend abgeklärt oder der Meinung mir gut zureden zu müssen. Dafür bin ich leider nicht gemacht, ich habe in solchen Situationen lieber meine Ruhe.

Irgendwann kam dann die Visite und brachte Licht ins Dunkel der vergangenen Nacht. Es konnte wohl gerade noch eine Bluttransfusion verhindert werden, aber ich hatte eine Menge Flüssigkeit verloren. Der Minimalinvasive Eingriff sei komplikationslos verlaufen, nur drei kleine Schnitte (schon die waren für mich Horror), die ich bald gar nicht mehr wahrnehmen würde. Auch erfuhr ich, dass so ein Drainagebeutel völlig normal sei. Er müsse noch eine weile beibehalten werden, bevor er irgendwann gezogen werde.

So weit so gut, nun hieß es im Krankenhaus über die Runden kommen und die Tage absitzen. Immer wenn ich aufstehen sollte oder wollte, war das eine Tortur. Der Beutel und die Flexüle führten dazu, dass ich mich am liebsten gar nicht bewegen wollte, denn ich hatte Angst, dass diese Fremdkörper unangenehme Schmerzen verursachen. Zum Glück war ich nach 2 Tagen dann allein im Zimmer und musste auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Irgendwann, ich glaube so nach zwei bis drei Tagen war ich beide Fremdkörper dann aber los und drängte darauf heim zu kommen.

Mein Kreislauf war zwar noch etwas schwach, was mir das "auf den Füßen bleiben" erschwerte, aber rumliegen konnte ich auch daheim. Es stand also das Abschlussgespräch an. Mein Kreislauf war so lala und dann fing Frau Dr. auch noch an mir alle Details der OP zu erklären. Dazu muss man wissen, dass ich schon bei Erzählungen Fremder über deren Verletzungen Kreislaufprobleme bekomme. Ich konnte gerade noch verhindern, dass mir Fotos von der OP gezeigt werden und dachte nur "durchhalten", gleich muss es geschafft sein. Ich bekam aber bereits Schweißausbrüche und eine Fiepen im Ohr, außerdem wurde mir schwindelig. Die Ärztin verabschiede mich, ich stand auf und torgelte los. "Alles ok bei Ihnen?", hörte ich es noch rufen und antwortete ja, aber nun konnte ich die Fassade nicht mehr aufrecht erhalten und die Ärztin fing mich ab. Zack, wurde eine Schwester gerufen und ich hatte wieder eine Flexüle im Arm und einen Glukosetropf an mir dran. Bravo, dass hat ja gut geklappt, dachte ich. Meine Entlassung war damit passé und ich musste mindestens einen weiteren Tag bleiben.

Auf den zweiten Versuch am nächsten Tag bereitete ich mich besser vor. Meine Schwester versorgte mich mit Traubenzucker und ich trank und trank. Und ich hielt durch. So konnte mich mein Mann am Nachmittag mit Heim nehmen.

Hinsichtlich unserer weiteren Chancen auf Kinder bekamen wir die Informationen, dass der rechte Eileiter entfernt sei, aber sowohl beide Eierstöcke als auch der linke Eileiter sehr gut aussehen. Wir bräuchten mit der Kinderplanung nur so lange warten, bis ich mich wieder gut fühle, dann könnte es weiter gehen. Die Funktion des Eileiters sei medizinisch noch nicht abschließend geklärt. Es könnte wohl auch sein, dass der linke Eileiter sich das Ei vom rechten Eierstock abholt, aber so genau scheint das niemand erforscht zu haben. Da nicht abwechselnd im linken und rechten Eierstock ein Ei heranreift, kann man auch nicht sagen, dass man nur alle zwei Monate schwanger werden kann. Alles Dinge, mit denen ich mich noch nie beschäftigt hatte und die sich im Internet auch nur teilweise aufklären lassen, da es unterschiedliche Meinungen gibt. Mein Mann und ich waren aber weiter guten Mutes.

Aufgrund des hohen Blutverlustes schrieb mich meine Frauenärztin mehrere Wochen krank, doch sobald ich daheim war, ging es mir täglich besser. Nur das Ziehen der Fäden stellte nochmal eine Herausforderung dar. Bei Operationen und ihren Nacharbeiten bin ich einfach sehr wehleidig. Meine Frauenärztin meinte dann noch, dass wir nicht zu lange rumprobieren sollten. Falls es nach absehbarer Zeit nicht klappen würde, sollten wir ruhig frühzeitig vorbei kommen, um abklären zu können woran es liege.

Freitag, 19. Juni 2015

Eileiterschwangerschaft - Teil 1

März 2012: Es war ein ganz normaler Tag mit einer kleinen Frühstücksrunde auf Arbeit, als mir plötzlich schwindlig wurde. Ich verließ den Raum und wollte mich auf der Damen-Toilette etwas erfrischen. Mein Kreislauf war aber schon so weit am Boden, dass ich nur noch sitzen konnte und heftige Schweißausbrüche hatte. Getreu nach meiner Devise, sich nichts anmerken zu lassen, quälte ich mich irgendwann wieder hoch und bekam einen Schock, als ich mein fahles Gesicht im Spiegel sah. Wenn es mir bis heute Abend noch nicht besser geht, dachte ich mir, bleibe ich morgen daheim. Kurzum, es wurde nicht besser. Letztlich musste ich mich geschlagen geben und wurde von zwei meiner Mitarbeiterinnen nach Hause gefahren.

Mittlerweile hatte ich starke Bauchschmerzen und dachte, Mist es ist der Blinddarm. Ich schleppte mich umgehend zum Allgemeinarzt, der meinte, das könne schon sein. Falls es schlimmer wäre müsste ich mich aber ohnehin im Krankenhaus melden, Also schleppte ich mich wieder Heim. Meinem Mann hatte ich die Lage inzwischen per sms geschildert, der hing aber in einem Meeting fest und konnte nicht eher nach Hause kommen. So wälzte ich mich vor Schmerzen einige Stunden auf dem Sofa und konnte vor Schwäche nicht mehr aufstehen. Ich bin wirklich nicht schmerzempfindlich, aber das war die Hölle.

Als mein Mann dann eintraf, war es so schlimm, dass ich einwilligte ins Krankenhaus zu fahren. Einen Krankenwagen wollte ich nicht rufen, denn was sollten die Nachbarn denken und so viel Aufmerksamkeit mag ich nicht... So passten wir einen günstigen Moment ab zu dem meine Beine in der Lage waren mich bis zum Auto zu tragen. Während der Fahrt spürte ich jedes Schlagloch und musste dann noch einige Zeit vor der Notaufnahme warten, da es dort wie immer recht voll war.

Irgendwann bekam ich endlich einen Arzt zu Gesicht. Ich äußerte den Blinddarmverdacht, wurde aber auch nach einer möglichen Schwangerschaft befragt. Hm, ja meinte ich, theoretisch möglich, weil nicht verhütet, aber eigentlich hatte ich letztens noch meine Regelblutung.

Ganz genau kann ich mich an den weiteren Ablauf gar nicht mehr erinnern. Ich wurde jedenfalls auf die gynäkologische Station verlegt und nach einem Ultraschall hieß es, der gesamte Bauraum sei voller Blut, ich müsste unbedingt noch am selben Tag notoperiert werden.

Oh Gott dachte ich; Operation/Narkose/Krankenhaus, ich das erste Mal hier und dann gleich sowas. Schon das Setzen der Flexüle hatte mir zugesetzt und jetzt schneiden die mich auch noch auf. Hiiiilfe, die Panik war groß, ich konnte nur noch heulen vor Angst und die Beruhigungsmittel linderten den Umstand nur wenig.

Gegen 20 Uhr (glaube ich) wurde ich dann in den OP geschoben und wachte irgendwann in der Nacht, durch das grausam laute Schnarchen einer Bettnachbarin wieder auf. Ich erwartete Übelkeit, aber es war keine da. Super dachte ich, das war halb so schlimm. Komisch war nur, dass irgendetwas neben mit lag und ahhhhhh es hing ein Beutel verbunden mit einem Schlauch an mir dran.

Als ein Pfleger bemerkte, dass ich wach war und fragte wie es mir ginge und ob ich ob des Schnarchens lieber auf Station in mein Zimmer wolle, zeigte ich mich aber souverän und ließ mir nichts von der Beutelpanik anmerken.

Im (Dreibett-)Zimmer angekommen versuchte ich mich so wenig wie möglich zu bewegen, denn ich malte mir die schlimmsten Dinge aus, was sonst mit dem Schlauch passiert, der aus meinem Bauch hing. So dämmerte ich nur ein bisschen, bis um 6 Uhr am Morgen der Radau auf der Station anfing.

Weiter geht´s demnächst mit dem Post Eileiterschwangerschaft - Teil 2.