Montag, 22. Juni 2015

2. Schwangerschaft - 2. Trimester

Das zweite Trimester verlief im Vergleich zum ersten komplikationslos. In den regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen stellte Frau Dr. L. fest, dass sich unser Kind vorbildlich entwickelte. Gegen Ende des Jahres 2013 fragte sie mich, ob ich denn schon Tritte spüre. Ich war der Meinung, dass das nicht der Fall gewesen sei. Später stellte sich aber heraus, dass ich diese irrtümlich für Blähungen gehalten hatte, dabei handelte es sich um die Agilität unseres Kindes. Aber woher soll man denn auch bitte wissen, wie sich so zarte Tritte anfühlen? Frau Dr. L. beschrieb es als Gefühl, wie das Flattern von Schmetterlingen. Das konnte ich damals jedoch nicht bestätigen.

In der 19. SSW war endlich der Zeitpunkt gekommen, zu dem wir das Geschlecht unseres Kindes erfahren wollten. Meine Ärztin war ohnehin immer etwas kurz angebunden und der Ultraschall diesmal wieder schneller vorbei, als gedacht. Während des Anziehens nutzte ich eine ruhige Minute, um zu fragen, was es denn nun werde. Sie meinte nur, danach habe sie nicht geschaut. Na bravo, ich war echt enttäuscht. Der zweite Punkt auf meiner Agenda für diesen Tag war das Thema Zweittrimesterscreening. Ich hatte mich im Vorfeld intensiv damit auseinander gesetzt und wusste von einer Freundin, dass man es normalerweise privat bezahlen müsste, es sei denn man bekäme von seinem Gynäkologen einen Überweisung, dann übernehme es die Krankenkasse.

Da mir Frau Dr. L. immer wohl gesonnen war und aus meiner Sicht mit den Komplikationen im ersten Trimester ein hinreichender Anlass für das Screening vorlag, war ich frohen Mutes und fragte nach einer Überweisung. Ich hatte aber einen schlechten Tag erwischt und bekam eine pompte Abfuhr. Alle Versuche mittels Argumenten zu überzeugen fruchteten nicht und so ging ich einigermaßen aufgebracht wieder heim.

Ich erkundigte mich nochmal, wie es bei meiner Freundin gelaufen war und entschied einen zweiten Arzt (Herr Dr. V.) zu konsultieren. Dank guter Beziehungen zu seiner Sprechstundenhilfe bekam ich kurzfristig einen Termin. Der Arzt konnte meine Argumente nachvollziehen und nach einer ausführlichen Untersuchung hatte ich nicht nur den Überweisungsschein in der Hand, sondern kannte auch das Geschlecht.

Wir bekämen also ein Mädchen, ganz ohne Zweifel.

Zu meinem nächsten Besuch bei Frau Dr. L. stellte sich heraus, warum sie nur noch so halbherzig bei der Sache gewesen war. Sie ging Mitte Januar in den Ruhestand und übergab die Praxis an eine jüngere Kollegin. Wir kamen zwar immer gut miteinander aus und schwatzten über Urlaube, Literatur etc., aber ich war trotzdem froh, dass sich die neue Ärztin Frau Dr. S, deutlich intensiver um mich und die Schwangerschaft kümmerte.

Bei ihr fühlte ich mich bestens aufgehoben und bin im Nachhinein froh, dass es so gekommen ist. Ansonsten hätte ich mir bestimmt Vorwürfe gemacht, ob die Totgeburt vielleicht mit besserer Vorsorge hätte verhindert werden können. Ich kann jedem nur raten, den Arzt zu wechseln, wenn sich das Gefühl einschleicht nicht gut betreut zu werden.

Wir ließen im Übrigen sämtliche Zusatztests auf Toxoplasmose u.a. machen. Die bezahlten wir zwar alle privat, das war es uns aber Wert und wir waren stets froh wenn es wieder hieß es sei alles in bester Ordnung. Nur Eisen und Magnesium musste ich nach einiger Zeit der Schwangerschaft zuführen, da ich davon zu wenig hatte. Das ist aber völlig normal.

Das hart erkämpfte zweite Screening stand am 10.1.2014 an. Wir waren wieder in der Universitätsklinik und warteten diesmal Stunden lang, trotz Termins, bis wir endlich an der Reihe waren. Im Untersuchungsraum mussten wir auch noch Musik von Reinhard Mey ertragen, weil der behandelnde Arzt ihn so gern mochte und sogar mitsummte. Er war aber locker drauf, wir auch und am Ende lautete die Diagnose "alles in Ordnung". Die Organe sahen gut aus und waren normal entwickelt. Henriette hatte aber scheinbar genug von den Ultraschallwellen und so versteckte sie ihr Gesicht immer hinter einem Arm, wenn der Arzt ein schönes Bild für uns machen wollte. Auf Bilder waren wir aber sowieso nicht so erpicht, in 3D oder farbig schon gleich gar nicht. Wir freuten uns vielmehr unser Kind bald "live" in den Armen halten zu können.

Ab Ende Februar sah man mir die Schwangerschaft dann auch etwas deutlicher an. Bis dahin hielt sich das alles noch sehr in Grenzen. Nun passten mir aber einige Hosen nicht mehr und ich musste Anfang März immer mal eine Umstandshose tragen, da mir alles andere zu unbequem wurde.

Teilweise hatte ich leichte Kreislaufbeschwerden und Hitzewallungen. Da es auf Arbeit zu der Zeit recht ruhig war, konnte ich meine Füße unterm Schreibtisch auch mal hochlegen und das Fenster, dank Einzelbüro, trotz winterlicher Temperaturen öffnen. So war es alles in allem entspannt. Ich zählte trotzdem die Tage bis ich endlich daheim bleiben und mich um die ganzen Besorgungen für die Erstausstattung kümmern könnte. Am 25.3. sollte mein letzter Arbeitstag sein. Den 26. und 27. noch mit einem Seminar um die Runden bringen und ab 28. Urlaub mit anschließender Mutterschutzfrist. So war der Plan. Wie immer bei mir alles durchgetimt und aufeinander abgestimmt.

Sonntag, 21. Juni 2015

2. Schwangerschaft - Vorgeschichte und 1. Trimester

Nach der Eileiterschwangerschaft hatte ich in Abstimmung mit meinem Mann das Thema Kind erstmal auf Eis gelegt. Grund war eine berufliche Perspektive, die sich mir für 15 Monate ergab. Die Bedingung war jedoch, dass ich  bis zum 31.12.2013 dafür uneingeschränkt zur Verfügung stünde.

Zu der Zeit hatte ich noch keine Problematik darin gesehen für ein Jahr auszusetzen. Beim ersten Versuch hatte es bereits nach kurzer Zeit geklappt und so würden wir es einfach so timen, dass ich pünktlich ab 2014 in meine Auszeit einsteigen könnte. Rückblickend betrachtet erschreckt mich diese naive Vorgehensweise sehr und ich ärgere mich, dass ich den Beruf vor die Familie gestellt habe. Ich kann nur jedem davon abraten so zu entscheiden. Karrierechancen können sich zu jeder Zeit ergeben, dafür sollte man das Persönliche einfach nicht hinten an stellen. Rückgängig machen kann ich das leider nicht mehr, aber trotzdem könnte ich mich phasenweise dafür ohrfeigen.

Wir starteten also Anfang 2013, ich weiß nicht mehr wann genau, mit unserem Plan. Zunächst stellte sich kein Erfolg ein und nach einer Weile wurde es ein wenig belastend, sich nach der Zyklus-App zu richten. Als ich schon fast die Nerven verlor, hielt ich dann doch am 23.9. einen positiven Test in der Hand. Die Freude und die Erleichterung waren riesig. Vier Tage später hatte ich ohnehin einen Termin beim Frauenarzt und so passte das wunderbar.

Am 25.9. stellte ich direkt nach dem Aufstehen aber Blutungen fest und bekam sofort Panik. Also setzte ich meinen Mann ins Bild und machte mich gleich 7:00 Uhr auf zur Ärztin, die nur fünf Minuten entfernt ihre Praxis hatte. Die hielt mir erstmal eine Predigt, wann ich denn hätte kommen wollen, wenn ich es schon seit zwei Tagen wüsste. Als ich auf meinen "Ohnehin-Termin" hinwies, war sie aber besänftigt. Doch prompt erfolgte die zweite Standpauke, als ich ihre Frage nach GV in den letzten Tagen mit "ja, vor drei bis vier Tagen" beantwortete. Das könne wohl eine Ursache für Blutungen sein. Das soll nun jemand wissen; zumindest ich hatte davon keinen Schimmer.

Beim Ultraschall sah sie eine Fruchthöhle und leichte Ablösungen an der Schleimhaut, durch welche die Blutungen verursacht wurden. Ich bekam Utrogest und strikte Bettruhe verschrieben, sollte fortan in wöchentlichem Rhythmus wieder vorbei schauen und um Gottes Willen keinen GV in den nächsten Wochen haben.

Die ersten paar Tage daheim genoss ich noch die viele Freizeit. Da ich jedoch nur die nötigsten Wege erledigen durfte und ansonsten die Couch hütete, bekam ich nicht nur Rückenschmerzen, sondern auch große Langeweile. Körperlich plagte mich aber vor allem Appetitlosigkeit. Ich konnte nur noch ausgewählte Dinge essen und so gut wie nichts Riechen ohne, dass mir sofort übel wurde, auch wenn ich mich nie übergeben musste. Ich nahm somit bis zur 12. Woche zwei Kilo ab und war so schlank, wie (vermutlich) das letzte Mal mit 15 Jahren. Meine Haut im Gesicht war dafür besser als je zuvor, wahrscheinlich ein positiver Nebeneffekt des Utrogest.

Ansonsten entwickelte sich alles prima. Ich konnte nach der 12. Woche endlich wieder arbeiten gehen. Und hatte mich schon richtig danach gesehnt andere Gesichter zu sehen und mein Hirn anzustrengen. Ich bettelte förmlich darum. Die Ärztin meinte, medizinisch spreche nichts dagegen, aber die meisten würden sie eher wegen einer Berufsunfähigkeitsbescheinigung so anflehen wie ich, wieder auf Arbeit gehen zu wollen.

Aufgrund der strikten Bettruhe verschoben wir einen geplanten Städte-Wochenendtrip, den wir nach der 12. Woche nachholen konnten.

Am 22.11. stand das Ersttrimester-Screening an. Meine Ärztin hatte mir empfohlen es in der Uniklinik durchführen zu lassen (hinter wusste ich auch warum: ihr Sohn ist dort OA auf der Gyn). Ich war nervös und hatte deshalb etwas zu hohen Blutdruck. Grundsätzlich habe ich immer zu niedrigen und beim Arzt aufgrund der Aufregung damit normalen. Deshalb machte ich mir keine Gedanken deswegen. Das Screening zeigte einen ganz normalen Befund. Es war alles bestens. Irgendein Wert, ich weiß gar nicht mehr welcher, hatte den einer 16 Jährigen (ich war damals 31), also alles tutti paletti. Ich hatte nur ein erhöhtes theoretisches Risiko für zu hohen Blutdruck im späteren Schwangerschaftsverlauf.

Samstag, 20. Juni 2015

Eileiterschwangerschaft - Teil 2

Mein erster Morgen im Krankenbett zog sich hin und die drei Zimmernachbarn waren entweder schon das x-te Mal auf der Station und entsprechend abgeklärt oder der Meinung mir gut zureden zu müssen. Dafür bin ich leider nicht gemacht, ich habe in solchen Situationen lieber meine Ruhe.

Irgendwann kam dann die Visite und brachte Licht ins Dunkel der vergangenen Nacht. Es konnte wohl gerade noch eine Bluttransfusion verhindert werden, aber ich hatte eine Menge Flüssigkeit verloren. Der Minimalinvasive Eingriff sei komplikationslos verlaufen, nur drei kleine Schnitte (schon die waren für mich Horror), die ich bald gar nicht mehr wahrnehmen würde. Auch erfuhr ich, dass so ein Drainagebeutel völlig normal sei. Er müsse noch eine weile beibehalten werden, bevor er irgendwann gezogen werde.

So weit so gut, nun hieß es im Krankenhaus über die Runden kommen und die Tage absitzen. Immer wenn ich aufstehen sollte oder wollte, war das eine Tortur. Der Beutel und die Flexüle führten dazu, dass ich mich am liebsten gar nicht bewegen wollte, denn ich hatte Angst, dass diese Fremdkörper unangenehme Schmerzen verursachen. Zum Glück war ich nach 2 Tagen dann allein im Zimmer und musste auf niemanden mehr Rücksicht nehmen. Irgendwann, ich glaube so nach zwei bis drei Tagen war ich beide Fremdkörper dann aber los und drängte darauf heim zu kommen.

Mein Kreislauf war zwar noch etwas schwach, was mir das "auf den Füßen bleiben" erschwerte, aber rumliegen konnte ich auch daheim. Es stand also das Abschlussgespräch an. Mein Kreislauf war so lala und dann fing Frau Dr. auch noch an mir alle Details der OP zu erklären. Dazu muss man wissen, dass ich schon bei Erzählungen Fremder über deren Verletzungen Kreislaufprobleme bekomme. Ich konnte gerade noch verhindern, dass mir Fotos von der OP gezeigt werden und dachte nur "durchhalten", gleich muss es geschafft sein. Ich bekam aber bereits Schweißausbrüche und eine Fiepen im Ohr, außerdem wurde mir schwindelig. Die Ärztin verabschiede mich, ich stand auf und torgelte los. "Alles ok bei Ihnen?", hörte ich es noch rufen und antwortete ja, aber nun konnte ich die Fassade nicht mehr aufrecht erhalten und die Ärztin fing mich ab. Zack, wurde eine Schwester gerufen und ich hatte wieder eine Flexüle im Arm und einen Glukosetropf an mir dran. Bravo, dass hat ja gut geklappt, dachte ich. Meine Entlassung war damit passé und ich musste mindestens einen weiteren Tag bleiben.

Auf den zweiten Versuch am nächsten Tag bereitete ich mich besser vor. Meine Schwester versorgte mich mit Traubenzucker und ich trank und trank. Und ich hielt durch. So konnte mich mein Mann am Nachmittag mit Heim nehmen.

Hinsichtlich unserer weiteren Chancen auf Kinder bekamen wir die Informationen, dass der rechte Eileiter entfernt sei, aber sowohl beide Eierstöcke als auch der linke Eileiter sehr gut aussehen. Wir bräuchten mit der Kinderplanung nur so lange warten, bis ich mich wieder gut fühle, dann könnte es weiter gehen. Die Funktion des Eileiters sei medizinisch noch nicht abschließend geklärt. Es könnte wohl auch sein, dass der linke Eileiter sich das Ei vom rechten Eierstock abholt, aber so genau scheint das niemand erforscht zu haben. Da nicht abwechselnd im linken und rechten Eierstock ein Ei heranreift, kann man auch nicht sagen, dass man nur alle zwei Monate schwanger werden kann. Alles Dinge, mit denen ich mich noch nie beschäftigt hatte und die sich im Internet auch nur teilweise aufklären lassen, da es unterschiedliche Meinungen gibt. Mein Mann und ich waren aber weiter guten Mutes.

Aufgrund des hohen Blutverlustes schrieb mich meine Frauenärztin mehrere Wochen krank, doch sobald ich daheim war, ging es mir täglich besser. Nur das Ziehen der Fäden stellte nochmal eine Herausforderung dar. Bei Operationen und ihren Nacharbeiten bin ich einfach sehr wehleidig. Meine Frauenärztin meinte dann noch, dass wir nicht zu lange rumprobieren sollten. Falls es nach absehbarer Zeit nicht klappen würde, sollten wir ruhig frühzeitig vorbei kommen, um abklären zu können woran es liege.